Der Sagenschatz des Seemannes und Aberglaube.
Eine der schönsten seemännischen Oberlieferungen des Aberglaubens sind die Sagen, die, leider teilweise recht unvollkommen, heute noch bekannt sind. Grundlage der Überlieferungen sind
die umfangreichen Sammlungen, mit nahezu 2 Millionen handschriftlichen Notizen, Richard Wossidlos, der gerade noch rechtzeitig am Ende der Segelschifffahrt begann, entlang der Ostseeküste, hauptsächlich in
Wustrow, Dierhagen, Rostock und Wismar, Aufzeichnungen zu machen. Er befragte dazu Küstenbewohner und alte Fahrensleute wie Kapitäne, Steuerleute u. a., die die Segelschifffahrt noch aus ihrer Blütezeit kannten.
Auf Grund dieser Aufzeichnungen ist es möglich, dass wir uns heute ein Bild machen können.
Wossidlo teilte die überlieferten Sagen folgendermaßen ein:
1. Die Sagen des ersten Kreises sind aus dem Mittelmeerraum zu unseren Seeleuten gelangt, wahrscheinlich auf dem Wege über die Literatur. Diese Sagen sind auch auf dem Land weit
verbreitet.
2. Die Sagen des zweiten Kreises sind meist Ostsagen, die aus den Ländern stammen, in denen die fraglichen Orte liegen. Wahrscheinlich sind sie durch Seeleute des betreffenden Landes an
Bord erzählt worden. „... Wi hadden'n Finnen an Baurd, de wüßt all so'n spööken Kram un so. Ik heww dat nich behollen, ik heww dor keenen Kopp to ...“
3. Die dritte Gruppe ist unter den Seeleuten unseres Gebietes selbst entstanden, z.B. die Sagen vom Fliegenden Holländer, vom Klabautermann u. ä. Stofflich verteilt sich der
Inhalt der Sagen auf merkwürdige Erlebnisse, auf geheimnisvolle Warnungen, auf Teufelsgeschichten, Tiersagen, Bestrafungen von Übeltätern und dergleichen.
Hier soll versucht werden, das Wissen über die Sagen vom Klabautermann und dem Fliegenden Holländer wiederzugeben.
Die Entstehung des Namens des Klabautermanne ist geschichtlich nicht genau erklärt. Er wird mit den Worten „Kobold“ und „Mann“ in Verbindung gebracht (mitttelhochdeutsoh)
aber auch mit dem „Klatermann“ dem Klettermann. Andere behaupten das Wort stamme vom „Kalfatermann“ ab, der mit dem Kalfaterhammer hämmert, um das Schiffsvolk zu ermahnen, undichte Stellen
auszubessern.
Der Klabautermann wird als der Gute Geist eines jeden Schiffes bezeichnet, solange er an Bord ist, hat das Schiff immer gute Fahrt, er sorgt dafür, dass an Bord alles seine Ordnung
hatte. Schlimm war es, wenn der Klabautermann sich sehen ließ, dann gab es schlechtes Wetter, oder des Schiff war gar dem Untergang geweiht.
Der Ursprung der Sage des Fliegenden Holländers ist bis heute ungeklärt. Der Fliegende Holländer ist ein sagenhaftes Gespensterschiff, dessen Kapitän für sein gottloses Leben oder
für sein blasphemischen Frevel zum ewigen Kreuzen auf einem riesigen, düsteren, zwar sichtbaren, aber lautlosen Segelschiff verurteilt ist. Während nach einigen Überlieferungen der Fliegende Holländer nur am
Kap der Guten Hoffnung zu sehen sei, so behaupten andere, er sei überall anzutreffen, außer in nördlichen Breiten. Viele Seeleute früherer Jahrhunderte glaubten ernsthaft an das Gespensterschiff, und es wurden
viele Geschichten erzählt, die den Wahrheitsgehalt dieser Sage bekräftigen sollte. Gerade Kapitäne, die gottlos waren, sollen öfter mal auf hoher See verschwunden sein, vom Fliegenden Holländer geholt.
Unter den Seeleuten waren viele Formen des Aberglaubens verbreitet. Gerade der Wind, in der Segelschifffahrt das wichtigste Mittel zum Fortkommen eines Schiffes, wurde oft mit einer
geradezu abergläubischen Konsequenz beschworen und verflucht. Ein Mittel, um Wind zu bekommen war z.B. "Ein jungfräulich reiner Seemann musste dreimal am Besanmast kratzen, dann kam der richtige Wind
geflogen. Doch wo fand man so einen Seemann?“ (Wossidlo) Auch auf die Träume der Köche wurde sehr viel gegeben. Träumte er von einem Pferd, gab es guten Wind. Hatte ein Schiff den Ruf, ein
Unglücksschiff zu sein, wurde es ihn nicht wieder los. An bestimmten Tagen durfte ein Schiff weder auf Kiel gelegt werden, noch vom Stapel laufen, geschweige denn auslaufen. Am bekanntesten dafür ist wohl der
Freitag. Es gibt heute noch Kapitäne die an einem Freitag nicht gerne auslaufen. Der Freitag als Todestag, das ist zurückzuführen auf den christlichen Glauben an den Karfreitag, der „Tag des Leidens
Christi“. Katzen an Bord brachten Glück, Frauen aber Krankheiten und Seenot, ebenso Geistliche an Bord. Auch der Name eines Schiffes durfte nicht verändert werden; Jan Maat musterte nur höchst ungern auf
so einem Schiff an.
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